Steriles Nahtmaterial
Steriles Nahtmaterial ist ein unverzichtbarer Bestandteil jeder chirurgischen Versorgung. Ob bei der Hautnaht, in der Viszeralchirurgie oder der plastischen Rekonstruktion – die Verwendung von sterilisierten bzw. keimfreiem Nahtmaterial trägt entscheidend zur Vermeidung postoperativer Infektionen bei. Neben der Materialwahl sind insbesondere die Aufbereitung, Lagerung und Handhabung nach strengen Hygienestandards geregelt. Grundsätzlich sind nahezu alle am Markt erhältlichen Nahtmaterialien steril.
Was bedeutet „steriles Nahtmaterial“?
Steriles Nahtmaterial bezeichnet chirurgische Fäden bzw. Nadel-Faden-Kombinationen, die unter kontrollierten Bedingungen keimfrei gemacht und verpackt werden. Sie sind so konzipiert, dass sie unmittelbar im sterilen OP-Feld eingesetzt werden können, ohne das Risiko einer Kontamination.
Typische Merkmale:
- Verpackt in doppeltem Peel-Pack
- Gekennzeichnet mit Verfallsdatum der Sterilität
- Chargenrückverfolgung gemäß MDR
Einsatzbereiche
Steriles Nahtmaterial findet Verwendung in nahezu allen chirurgischen Disziplinen, darunter:
- Allgemeinchirurgie (z. B. Resektionen, Hernienversorgung)
- Gynäkologie und Geburtshilfe (z. B. Dammnaht, Sectio)
- Orthopädie und Unfallchirurgie
- Plastische und rekonstruktive Chirurgie
- Tiermedizinische Operationen
Je nach Indikation kommen resorbierbare oder nicht-resorbierbare Materialien zum Einsatz.
Sterilitätsanforderungen & Normen
Die Herstellung unterliegt strengen internationalen Normen:
- ISO 13485 – Qualitätsmanagement für Medizinprodukte
- EN 556-1 – Definition der Sterilität (Sterility Assurance Level: 10⁻⁶)
- DIN EN ISO 11135 / 11137 – Sterilisation mit Ethylenoxid bzw. Gamma-/Elektronenstrahlung
Hersteller wie Ethicon, B. Braun oder Serag-Wiessner stellen sicher, dass ihre Produkte die gesetzlichen Vorgaben der europäischen MDR (Medical Device Regulation) erfüllen.
Lagerung und Haltbarkeit
Steriles Nahtmaterial muss:
- Trocken und lichtgeschützt bei Raumtemperatur gelagert werden
- Vor mechanischen Einflüssen geschützt werden (z. B. Quetschungen)
- Nach Ablaufdatum nicht mehr verwendet werden (Verlust der Sterilität!)
Empfohlen: Lagerung in gekennzeichneten, staubfreien Schubladensystemen in OP- oder Aufbereitungsräumen.
Handhabung und Asepsis im Einsatz
Beim Einsatz muss eine durchgängige Sterilitätskette sichergestellt werden:
- Entnahme im sterilen Setting durch OP-Personal
- Keine Berührung der Nadel oder des Fadens mit unsterilen Flächen
- Entsorgung des Packmittels unmittelbar nach Öffnung
Für bestimmte Eingriffe ist die Verwendung von antibakteriellem Nahtmaterial (VICRYL Plus, PDS Plus, MONOCRYL Plus) zusätzlich indiziert, z. B. in kontaminierten Wunden.
Fazit
Steriles Nahtmaterial ist ein Überbegriff für Nadel-Faden-Kombinationen, welche steril und keimfrei sind – es ist ein zentrales Element der Infektionsprophylaxe und wird von allen seriösen Herstellern angeboten. Letztlich ist nahezu der Großteil der erhältlichen Nahtmaterialien grundsätzlich steril. Sollte dies nicht so sein, so muss der Hersteller darauf hinweisen. Die richtige Auswahl, Lagerung und Anwendung sind entscheidend für einen komplikationsfreien postoperativen Verlauf. Kliniken, Praxen und OP-Zentren sollten auf geprüfte Produkte und eine lückenlose Sterilitätskette setzen.